Bierkarteln
Erzählt von Heinz Weiß
Spielersitzungen fanden immer freitags statt. Warum eigentlich? Weil es Geld gegeben hatte? Denn der Samstag war doch keineswegs arbeitsfrei.

Vor den Spielersitzungen war immer Training. Im Sommer, wenn es noch hell war, natürlich draußen auf dem Anger. Im Winter, wenn es schon früh dunkel wurde, manchmal ein Dauerlauf nach Ernhofen und zurück und anschließend etwas Gymnastik im Saal oben beim Fink. Anschließend gab es dann Spiel- und Spielerkritik zum letzten Spiel und dann die Mannschaftsaufstellung für den kommenden Sonntag und Absprachen wie man an den jeweiligen Spielort kommt. Danach wurde immer Schafkopf gespielt.

Ein Höhepunkt mancher Spielersitzung, besonders in den langen Winternächten, war das ”Bierkartln”. Der Vorschlag dazu kam meist dann, wenn die letzten Kartenrunden an den verschiedenen Tischen gespielt waren, aber noch viele saßen um ihr letztes Bier auszutrinken. Man setzte sich dann zusammen an einem der langen Tische, die am Fenster standen, rechts, wenn man in die Wirtsstube kam. Mitspielen konnten so viele, wie Lust hatten, denn da dort zwei Tische standen, konnte man den Kreis immerzu erweitern. Man brauchte dazu ein Kartenspiel und einen Wirt, der schnell mit dem Einschenken und mit dem Anschreiben war.

Ganz genau weiß ich nicht mehr, nach welchen Regeln gespielt wurde. Verwendet wurde ein volles Kartenspiel. Ich glaube es gab keinen Trumpf aber man musste Farbe zugeben, wenn man hatte. Da die Asse also die höchsten Karten waren, gab es bei jedem Spiel 4 Stiche und das war das entscheidende. Die Karten wurden reihum ausgeteilt, bis sie alle vergeben waren. Es kam auch nicht so sehr darauf an, ob jeder Mitspieler gleich viel Karten hatte, oder manchmal auch gar keine. Inzwischen hatte der Wirt in die Mitte des Tisches ein gefülltes Bierglas gestellt. Aber es war kein richtiges bayerisches, eher ein ”preußisches”, ein Kleines, also höchstens ein Viertelliter, was eigentlich gar nicht so recht auf einen bayerischen Biertisch paßt.

Der nach dem Geber spielte die erste Karte aus und einer nach dem anderen legte eine Karte dazu. Und es ist klar, dass einer der Mitspieler nach der ersten Runde den ersten Stich gemacht hatte. Er durfte als Preis dafür das Bierglas nehmen und ”Antrinken”. Dann durfte er ausspielen, falls er noch eine Karte hatte, sonst kam der Nächste in der Reihe mit Ausspielen dran. Nach der nächsten Runde hatte natürlich wieder einer gestochen. Er durfte als Preis dafür ”Nachtrinken”. Der Spieler mit dem dritten Stich musste das Glas austrinken und dem mit dem vierten Stich, dem blieb leider nur das Bezahlen.

Schon stand das nächste kleine Bier auf dem Tisch. Der Bezahler von vorher mischte und gab die Karten neu. Das Spiel begann von neuem und nahm so seinen Lauf.

Wer ein bißchen unsere menschliche Natur kennt, kann den weiteren Verlauf sicher vorausahnen. Anfangs nahmen die ersten Trinker immer kräftige Schlucke, so daß für den Dritten oft nur wenig übrigblieb. Aber je länger das Spiel dauerte, desto kleiner wurden die Schlucke, die sich Antrinker und Nachtrinker nahmen. Aber für den Austrinker wurde die Biermenge, die im Glas blieb immer größer. Und da ja auch die Spielkarten in den meisten Fällen so fallen, dass keiner der Mitspieler immerzu nur eine Pechsträhne oder eine Glückssträhne hat, durfte im Regelfall auch jeder immer mal wieder ”Austrinker ” sein.

Jedenfalls endete das Spiel meistens mit einem ziemlichen Massenbesäufnis und oft mit dem Schifflein - Schifflein- Lied, das uns sogar auf Stühle und Bänke brachte.
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