Dorflinde

Oweih, die Linde brennt! -- Eine persönliche Erinnerung an die Weißenbrunner Feuerwehr -–

In der Dorfmitte von Weißenbrunn stand noch der alte Dorfbrunnen, umgeben von großen, alten Linden. Die untere Linde war hohl und hatte am Stamm eine Öffnung, die groß genug war, dass man sich als kleiner Junge durchzwängen konnte. In der Linde konnten mindestens vier Kinder stehen. Aber es war ziemlich dunkel darin, denn nur von ganz oben fiel etwas Licht in den hohlen Stamm.

 

Am linken Bildrand der alte Dorfbrunnen unterhalb der Gastwirtschaft "Lindenhof".
In der Mitte die beiden Linden durch die die damalige Hauptstraße führt.
Wie die Straßenführung heute aussieht, sehen sie bei den Bildern unter "Damals - Heute".

Es war an einem Sonntagnachmittag, vielleicht im Jahr 1943, vielleicht auch später. Wir Kinder waren im Dorf unterwegs, um unsere üblichen Spiele zu spielen. Mehr durch Zufall kamen wir dabei auch an der Linde vorbei und hörten, dass in ihrem Inneren schon andere Kinder waren. Sie erzählten von einer kleinen Katze, die sich in die Linde geflüchtet hatte und die sie herausholen wollten. Einer von uns hatte Streichhölzer dabei, mit ihm zusammen durfte ich in die Linde kriechen, um die Katze zu retten. Aber die Streichholzflammen flackerten immer nur kurz auf und konnten die Dunkelheit nicht durchdringen. Auch unsere Tastversuche in dem trockenen Laubteppich in der Linde führten zu keinem Ergebnis. Die Katze konnten wir nicht finden. Schließlich gaben wir auf und zogen weiter -die Gaß´ naus - zu dem dort im Buschwerk gebauten Baumhaus.

Bald bemerkten wir aus dem Dorf eine gewisse Unruhe und kehrten schnell dorthin zurück. Schon auf der „Schmiedbruckn“ sahen wir, dass rund um die Linden etwas los war. Andere Kinder kamen uns entgegen mit der Nachricht: „Die Lind`n brennt! Kinner hom`s azündt“!

Mit schlechtem Gewissen näherten wir uns der Dorfmitte. Und tatsächlich, aus der Linde, in der wir einige Zeit vorher die Katze gesucht hatten, quoll oben, wie aus einem Schornstein, dicker, weißer Rauch, und ganz oben saß ein Feuerwehrmann und spritzte Wasser hinein. 

Bei allen Umstehenden wurde lebhaft über die bösen Kinder gesprochen, die die Linde angezündet hatten, und da hatten wir keinen Mut mehr zu erzählen, wie es wirklich gewesen war.                                                                                      

Heinz Weiß

 


FSV Weißenbrunn 1949 e.V.