Eine besondere Weihnachtsfeier                     

Die im FSV-Kurier vom September 1994, abgedruckten Sammellisten mit dem Hinweis - Weinglas nicht vergessen - erinnern mich an eine der ersten Weihnachtsfeiern der Vereinsgeschichte. Möglicherweise ist es die von 1952, wahrscheinlich aber eine frühere. Auf alle Fälle wurden in ähnlicher Form wie mit den abgedruckten Listen die Einladungen ins Dorf, an die Mitglieder und an Freunde und Bekannte gebracht. Das eingesammelte Geld brauchten wir für die Vorbereitung. Die Vereinskasse war in der damaligen Zeit so mager, dass es unmöglich war, daraus Geld vorzuschießen. Wir vom Festausschuss hatten uns etwas Besonderes ausgedacht. Natürlich sollte der Nikolaus kommen und Spieler bescheren. Der hatte dann für viele Spieler neben dem kleinen Geschenk, damals waren es so glaube ich "Clubstutzen", einen Vers bereit.

Davor sollte es aber weihnachtlich feierlich sein, mit einigen gemeinsamen Liedern, kleinen Gedichten und Versen und einem kleinen Krippenspiel. Wir hatten also unsere Sammellisten, wussten wie viele Gäste sich im Saal beim Fink einfinden würden und begannen rechtzeitig mit der äußeren Vorbereitung. Lange Tische und Bänke wurden aufgestellt, die Tische mit weißem Papier fein gedeckt und mit Tannenzweigen und Kerzen geschmückt. Tischkar­ten sollten eine bestimmte Sitzordnung für den reibungslosen Ablauf der Feier garantieren. Und an jedem Platz stand, als Überraschung gedacht, eine Flasche Wein für jeden Gast. Deshalb auch der Hinweis auf der Liste "Weinglas nicht vergessen!"

Dazu muß man wissen, daß in den ersten Jahren nach 1948, nach der Währungsreform, ein Glas Wein noch etwas ganz besonderes war. Wir hatten, da wir die Besucherzahl ziemlich genau kannten, günstig eingekauft. Vielleicht zu günstig, denn wir bekamen für unser Geld einen guten, süßen Muskateller.

Der Abend der Feier kam. Alles war vorbereitet, der Bühnenvorhang zugezogen, auf der Bühne die Organisatoren und die Vortragenden. Auf den Tischen brannten die Weihnachtskerzen und erwärmten langsam den abge­dunkelten Saal. Die Gäste kamen. Bald schon die erste Panne. In dem Schummerlicht waren die Namen auf den Tischkarten kaum zu lesen und je mehr Gäste kamen, desto schwieriger wurde es für sie die gedachten Plätze zu finden. Namenskarten wurden ausgetauscht und schließlich saßen alle Besucher vor einer der Weinflaschen. Hinter dem Bühnenvorhang bereitete sich der Nikolaus auf seinen Auftritt vor, und im Saal wurde es immer lauter. Wir schauten durch den Vorhangspalt und sahen die Bescherung, mit der wir überhaupt nicht gerechnet hatten.

An den Tischen waren inzwischen die Weinflaschen geöffnet. Und lag es nun daran, dass doch mehrere ihr Weinglas vergessen hatten und aus der Flasche tranken, oder dass der Wein inzwischen zu warm oder dass er zu süß war, oder lag es einfach daran, dass soviel Wein für uns alle zu ungewohnt war. Der ganze Saal brodelte von lautem Stimmengewirr, es wurde gelacht und gesungen (aber keine Weihnachtslieder) die Fröhlichkeit wurde immer größer.

Mit direkten Worten gesagt, viele unserer Gäste waren schon richtig angeheitert, noch bevor die eigentliche Feier begann. Viel von unserem Programm konnten wir nicht mehr ablaufen lassen. Der Nikolaus kam mit seinen Versen nicht mehr durch das Stimmengewirr, weihnachtliche Feierlichkeit konnten wir nicht mehr erwarten und so ließen wir die Sache laufen und es wurde eine sehr feucht-fröhliche Weihnachtsfeier.

Heinz Weiß

 


FSV Weißenbrunn 1949 e.V.