Endlich eigene Fußballschuhe

Nachdem der FSV im Jahr 1949 gegründet war, begann für uns alle eine Art Pionierzeit in Sachen Fußball. Als Sportplatz stand zuerst nur der Schulanger zur Verfügung. Er war natürlich viel zu klein für ein Fußballfeld, aber er erfüllte für den Anfang seinen Zweck. Die Ballfrage wurde auch bald dadurch gelöst, daß der FSV einige Bälle anschaffte. Die kostbaren Stücke wurden sorgsam gepflegt und gehütet, regelmäßig gesäubert und gefettet und, wenn nötig, aufgerissene Nähte sogar manchmal selbst genäht.

Das größte Problem wurden jetzt die Schuhe. Wir waren alle erst einmal froh, dass man endlich wieder Schuhe für den täglichen Gebrauch ohne Bezugsschein kaufen konnten. An spezielle Sportschuhe war dabei vorerst aber überhaupt nicht zu denken. Ich erinnere mich daran, dass ich zur Konfirmation ein Paar Winterstiefel neu bekommen hatte, die vorsorglich mindestens eine Schuhnummer zu groß gekauft wurden, weil es nicht sicher war, wann man sich die nächsten leisten könnte.

Bei unseren täglichen Spielen waren wir, wenn es das Wetter einigermaßen zuließ, barfuß. Das härtete ab und vermittelte auch Ballgefühl. Aber schließlich spielten wir auch gegen Mannschaften aus anderen Dörfern. Zum Beispiel in Offenhausen auf einer eben gemähten Wiese, die dort ein Bauer zur Verfügung stellte. 

1949 Sommer - Fußball
"erste Jugend"
vor Gründung des FSV
in Offenhausen 

h.R.v.l.: Karl Eckstein, Georg Scharrer, Vietzthum, Georg Leybold, Hans Dauphin
v.R.v.l.: Willi Eckstein, Adolf Rotter, Georg Weiß, Rudolf Bohrer, Hans Odörfer, Hermann Schwemmer

Oder in Röthenbach bei Altdorf, auf dem Röthenbacher Anger, der aber schon ein richtiger Sportplatz, mit Toren aus Holzbalken, war. Da konnte man natürlich nicht mehr ohne Schuhe antreten. Wir trugen unsere normalen Straßenschuhe. Meist waren es sowieso Schnürstiefel, die sich auch zum Fußballspielen eigneten. Ich hatte die Schnürstiefel meines verstorbenen Großvaters bekommen. Sie waren aus sehr weichem Leder, leider ziemlich spitz, reichten weit über die Knöchel hinauf, waren jedoch etwas zu groß. In die vorderste Schuhspitze wurde deshalb Zeitungspapier gesteckt. Die Absätze hatte ich abgenommen und auf der ganzen Lauffläche in Eigenarbeit "Stollen" aus Lederstückchen aufgenagelt, die ich aus den Resten durchgelaufener Ledersohlen geschnitten hatte. So hat jeder sich nach seinen Möglichkeiten geholfen. Auf dem Bild einer Jugendmannschaft von 1950 tragen wir zwar schon einheitliche Trikots, ein ganz helles Blau, mit etwas dunklerem Kragen, einige auch schon richtige Stutzen, aber jeder seine "provisorischen" Fußballschuhe.  

1950 - Fußball
Jugend 

h.R.v.l.: Heinz Weiß, W.Strobel, Georg Scharrer, Karl Eckstein, Willi Gößwein, Georg Leybold, Georg Hupfer, Georg Thäter
v.R.v.l.: Hans Odörfer, Georg Weiß, Hermann Schwemmer

Das sollte sich aber bald ändern. Bei der Thäters Nanne oben im Haus wohnte Herr Bauer. Er machte das Angebot, uns Fußballschuhe zu verkaufen. Sie mussten nicht auf einmal bezahlt, sondern konnten in sehr kleinen Beträgen abgestottert werden. Allerdings war Voraussetzung, dass eine bestimmte Menge abgenommen wurde.

Eines Abends nach einem "Training" und der anschließenden Spielerbesprechung war es dann soweit. Wir wurden alle beim "Wirtskarl" nach oben in den Saal geschickt und dort standen sie. Um den ganzen Saal war an den Wänden ein schmales Brett angebracht, das bei Tanzveranstaltungen als Sitzbank gedacht war. Heute war sie ein riesiges Schuhregal. An der ganzen Längsseite des Saales war die Bank vollgestellt mit Schuhkartons. Fein nach Schuhgrößen geordnet. In jedem Karton ein Paar Fußballschuhe. Sie waren schwarz, ohne irgendwelche Zierstreifen, und hatten lange, rote Schnürbänder. Es war ein überwältigender Anblick für uns. Wir begannen sofort mit der Anprobe. Für jeden war das passende Paar Schuhe dabei. Es gab natürlich noch keine Schraubstollen, und in die Schuhkappe war Metall eingearbeitet, aber nach unserem bisherigen Schuhwerk war alles nur eine Verbesserung.

Wer das für ihn passende Paar gefunden hatte, ließ sich in eine Liste eintragen. In der Zukunft kam Herr Bauer in jede Spielersitzung und kassierte die Raten. Wieviel die Fußballstiefel gekostet haben, wie lange wir abbezahlten, weiß ich heute nicht mehr. Aber es war eine angenehme Sache, dass wir auf diese Weise besser für unseren geliebten Fußballsport ausgerüstet waren. Hoffentlich haben wir mit den richtigen Schuhen auch besser gespielt.  

Heinz Weiß

 


FSV Weißenbrunn 1949 e.V.